Heinz Fischer wird das achte Staatsoberhaupt der Zweiten Republik. Sieben davon wurden in - seit 1951 durchgeführten - Volkswahlen direkt gewählt. Nicht ganz eindeutig ist die Zuordnung zu den Parteien: Vier Bundespräsidenten gehörten der SPÖ an, ein fünfter, Rudolf Kirchschläger, war parteifrei, wurde aber von der SPÖ nominiert - und war damit bisher der letzte SPÖ-Kandidat, der in die Hofburg einzog. Aus den Reihen der ÖVP kamen die letzten beiden Staatsoberhäupter - wobei Thomas Klestil zur Wiederwahl 1998 als unabhängiger Kandidat antrat.
Dem von Klestil bei seiner Wiederwahl schon vorgegebenen Trend zum "parteiunabhängigen Präsidenten" folgt auch Fischer: Er wurde zwar von der SPÖ nominiert und hat den Wahlkampf als SPÖ-Mitglied geführt, wird aber, wie er angekündigt hat, mit der Angelobung am 8. Juli seine Parteimitgliedschaft ruhend stellen.
Karl Renner (SPÖ), der erste Bundespräsident der Zweiten Republik, wurde noch von der Bundesversammlung gewählt. Die ersten vier direkt gewählten Bundespräsidenten Österreichs waren von der SPÖ nominiert: Theodor Körner, Adolf Schärf, Franz Jonas und Rudolf Kirchschläger. Körner (1951-1957) starb am Ende seiner ersten Amtsperiode, die darauf folgenden Bundespräsidenten Schärf (1957-1965) und Jonas (1965-1974) während ihrer zweiten Periode. Der von der SPÖ nominierte parteifreie Bundespräsident Kirchschläger (1974-1986) ging nach den beiden Amtsperioden - mehr sind nicht möglich - in Pension.
Seither hatte die SPÖ mit ihren Kandidaten kein Glück mehr. 1986 bis 1992 war der umstrittene ÖVP-Kandidat Kurt Waldheim Bundespräsident. Nachdem er auf eine Wiederkandidatur verzichtet hatte, setzte sich 1992 in der Stichwahl gegen SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher der ÖVP-Kandidat Thomas Klestil durch. Zu seiner Wiederwahl 1998 trat er als unabhängiger Kandidat an.
Klestil schaffte bei der bisher letzten Wahl mit 63,4 Prozent gleich im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber das zweitbeste Ergebnis seit 1951. Die bisher höchste Zustimmung erreichte Rudolf Kirchschläger bei seiner Wiederwahl 1980 mit 79,9 Prozent. Fischer liegt im Vergleich aller Direktwahl-Ergebnisse auf Platz 7; mit den im vorläufigen Endergebnis nicht enthaltenen Auslands-Wahlkarten könnte er noch auf Platz 6 vorrücken.
Ferrero-Waldner schaffte das beste Ergebnis, das je eine Frau in einer Präsidentschaftswahl erreichte. Ihre vier "Vorgängerinnen" hatten es allerdings schwerer - sie traten immer gegen mehrere Männer an. Bisher führte Heide Schmidt als FPÖ-Kandidatin gegen drei Männer im Jahr 1992 mit 16,4 Prozent.